Interview mit Hannes Huster – Herausgeber von „DER GOLDREPORT“

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Die Interviews mit Hannes Huster – er ist der Herausgeber von „DER GOLDREPORT“ – sind ja inzwischen seit Jahren ein fester Bestandteil unserer Seite geworden. So wollen wir ihn auch 2017 wieder gegen Jahresende nach seinen aktuelle Einschätzungen, einem Rückblick und natürlich der Zukunft befragen.

Danke Hannes, dass Du dir auch diesmal wieder die Zeit nimmst unseren Leserinnen und Lesern einen Einblick in deine spannende Arbeit bzw. hinter die Kulissen der Minen- und Rohstoffwelt zu geben.
Es gibt ja nur wenige, die derart viel in der Welt auf Messen oder bei Minen unterwegs sind, um sich nach den neusten Trends und den besten Anlagechancen umzusehen.
 
Frage 1:
Vor wenigen Wochen fand ja wieder die Edelmetallmesse in München statt und Du warst wie jedes Jahr mit einem Stand vertreten. Wie ist so dein Eindruck von der Messe, wie ist die Stimmung, hat sich im Vergleich zu den letzten Jahren was geändert?

Antwort Hannes Huster:
Hallo Gerhard. Mein Eindruck war, dass die Messe grundsätzlich ganz gut besucht war, vielleicht sogar etwas besser als im Vorjahr. Was jedoch immer wieder ersichtlich ist, es kommen Jahr für Jahr nahezu die gleichen Leute nach München und man sieht einfach sehr viele bekannte Gesichter.
Neu war natürlich das Thema Bitcoin und Co., das auch von vielen Rednern behandelt wurde.

Frage 2:
In den letzten 12 Monaten hat sich ja bei den Edelmetallen relativ wenig getan. Gibt es etwas, das dem „Normalbürger“ verborgen geblieben ist oder anders gefragt: Warum hört man von den Edelmetallen so wenig? Wenn man sich gewisse Nachrichten nicht suchen würde könnte man denken, die ganzen Probleme mit der Verschuldung der Staaten usw. wären gelöst. Das grundsätzlich positive Umfeld für die Metalle aus weiter niedrigen Zinsen, Gelddrucken durch die Notenbanken, Verschuldung usw. wäre doch da.

Antwort Hannes Huster:
Straßenbahnen, Frauen und Aktien sollte man nicht hinterherlaufen, doch genau das sehen wir in vielen Märkten. Was schon gut gelaufen ist (Aktien, Immobilien und neuerdings Kryptowährungen) hat eine magische Anziehungskraft auf Mensch und Anleger.
Wenn man also als institutioneller Anleger im Aktienmarkt investiert ist und diese wie am Schnürchen gezogen noch oben laufen, dann hat die Masse einfach keinen Grund sich in anderen Sektoren umzusehen oder gar sich mit den Themen Staatsverschuldung, Explosion der Geldmenge oder der Explosion der Notenbankbilanzen zu beschäftigen.
Zudem werden die Nachrichten im Wirtschaftsteil von Traumszenarien in den USA überschüttet. So gut wie alle Indikatoren der US-Wirtschaft schlagen an Mehrjahreshochs oben an und Trump unterstützt dieses Wohlfühlambiente mit zusätzlichen Steuerreformen, die den Markt weiterhin unterstützen.
Die nächste Krise kommt meist dann, wenn niemand mehr damit rechnet. Ich will nicht den Teufel an die Wand malen, doch der Markt scheint aktuell immun gegen jegliche Störfaktoren von außen zu sein.

Frage 3:
Gab es 2017 einen speziellen Schwerpunkt deiner Arbeit?  In dem Zusammenhang muss man natürlich nach deiner Einschätzung zum Bitcoin fragen, denn dessen Kursexplosion ist ja in aller Munde. Oder was ist mit Tesla?

Antwort Hannes Huster:
Was ich bereits in 2016 getan habe und 2017 ebenso war, verstärkt in andere Rohstoffe zu wechseln. Die Goldaktien sind in 2016 nach einer jahrelangen Baisse massiv angesprungen und einige unserer Depotaktien konnten in der Spitze bis zu 800% vom Tief anziehen. In der Regel ist Gold der Trendgeber und führt eine anstehende Rallye bei den Rohstoffen an. Insofern habe ich mich in anderen Rohstoffen wie Uran, Kokskohle, Grafit, Kalium oder Lithium neu positioniert.
Bitcoin oder Krypto-Währungen im Allgemeinen sind DAS Thema aktuell und auch wenn es falsch war, schaue ich diesem Treiben von der Seitenlinie zu.
Ich bin kein Experte auf diesem Gebiet, glaube aber, dass sich bestimmt ein Dutzend oder mehr dieser „Währungen“ langfristig behaupten werden. Grund dafür ist eher die Blockchain-Technik hinter den „Währungen“, die sich über die nächsten Jahre etablieren könnte.
Jedoch weiß ich auch, dass diese Hypes böse enden und wenn man dann auf dem falschen Pferd sitzt, wird der schnell erworbene Reichtum verschwunden sein.
Aktuell schießen die Block-Chain Unternehmen wie Pilze aus dem Boden und in Vancouver kommt nahezu jeden Tag eine neue Firma mit diesen Deals um die Ecke.
Ich bin nun seit 21 Jahren an der Börse aktiv und habe diverser solcher Hypes miterlebt. Aktuell springt spekulatives Kapital in alle diese Aktien hinein, doch so schnell es kommt, wird es auch wieder gehen, wenn der Deal Schrott ist.
Wer schnell ist, aggressiv handeln kann und viel Tradingerfahrung hat, kann dort im Moment unglaublich viel Geld verdienen. Wer allerdings glaubt, das sind Papiere die ich heute kaufe und dann in fünf Jahren die nächste Google oder Amazon im Depot habe, der wird sich vermutlich wundern. Im NEUEN MARKT haben wir gesehen, wie schnell die Masse nach oben gespült wird und wie viele Unternehmen am Ende wirklich überlebt haben.
Aktuell wird Luft und Phantasie gehandelt, doch der „proof of concept“, wie die Unternehmen damit Geld verdienen und Börsenwerte im Bereich von hunderten von Millionen Dollar rechtfertigten wollen, ist noch nicht erbracht.
TESLA verfolge ich auch, allerdings bleibe ich kritisch. Keine Frage, Elon Musk hat den amerikanischen Traum wie kein anderer an die Anleger gebracht und die Vorreiterrolle hervorragend genutzt. Jedoch bin ich Realist genug um die Stärke der deutschen Autobauer nicht zu unterschätzen. BMW, Daimler und Volkswagen investieren Milliarden in diesen Sektor und ich glaube, dass aufgrund des Know-Hows der deutschen Automobilbranche und vor allem aufgrund der vorhandenen Fachkräfte eine gewaltige Aufholjagd ansteht.

Frage 4:
Wie ist so deine Einschätzung der aktuellen Lage, wirtschaftlich aber auch politisch? Was hast du für einen Ausblick für 2018 bezüglich Aktien, Notenbankpolitik usw…? Sind die Ankündigungen der FED usw. auf die Bremse zu treten ernst zu nehmen bzw. umzusetzen? Was wären die Auswirkungen?




Antwort Hannes Huster:
Politisch sehe ich einen starken Donald Trump, der trotz massiver Medienkritik und unendlichen Attacken gegen seine Person Reformen durchsetzen kann und einen ganz neuen Ansatz durchzieht. Während z.B. seine Steuerreform letztendlich kleine Einkommen entlastet und mit für den Normalmenschen nicht mehr überblickbaren Steuerrechten aufräumt, wird er bei uns kritisiert und man spricht von Steuergeschenken für die Reichen. Für mich ist das genau der richtige Schritt und Europa wird sich umschauen, wie viele Unternehmen zurück in die USA kehren oder dort investieren und Steuern bezahlen.
In Europa – naja, was soll ich sagen. Aus meiner Sicht klammert man sich weiterhin an den Gedanken der EU, obwohl offensichtlich mehr und mehr Länder und Bürger die Schnauze voll davon haben. Länder, die der EU abtrünnig werden, sind sofort die Bösen (Polen, Ungarn, Tschechien, Großbritannien) und müssen auf die stille Treppe.
Mir gefällt einfach nicht, was ich da sehe und der eigentlich sehr gute europäische Gedanke, den ich zu 100% unterstütze, wird leider durch die Gier nach mehr und mehr Macht zerstört. Das macht mir Sorgen.
Zu den Märkten:
Wie angesprochen, schlagen viele Konjunkturindikatoren in den USA oben an. Die Frage die sich jeder selbstdenkende Anleger dann stellen sollte ist, wie gut es noch werden kann. Sicherlich kann die Konjunktur in den USA noch etwas weiterlaufen, genauso die Aktienmärkte. Doch wie viel Speck noch auf den Rippen ist, sollte man zumindest in Frage stellen.
Die FED wird mit Sicherheit am Mittwoch die Zinsen erneut um 0,25% anheben. Dann wird es wie immer spannend, was die FED für einen Ausblick liefert. Letztes Jahr wurden vier Zinsschritte für 2017 angekündigt, am Ende werden es wohl zwei Zinserhöhungen werden.
Realistisch betrachtet müssten die Leitzinsen schon lange bei 2,50% oder höher stehen, wenn ich mir die Wirtschaftsdaten ansehe. Doch natürlich weiß die FED um die Problematik einer bereits extrem hohen Staatsverschuldung, die unter der Trump-Regierung noch viel weiter explodieren wird. Ebenso liegt eine extrem hohe Verschuldung des privaten Sektors vor.

Aktuell sind die USA mit 20,54 Billionen USD verschuldet. http://www.usdebtclock.org/
Eine Zahl, die schwer zu greifen ist. Vorhersagen zeigen, dass sich die Verschuldung unter Trump in den nächsten 10 Jahren um 10 Billionen USD erhöhen könnte, dann reden wir also von 30 Billionen USD. Dies wäre ein Anstieg der Schulden von 50% in 10 Jahren.
Nun ist dies nichts Neues und deine Leser wissen das. Frustriert blicken die Anleger dann auf Gold und Silber und fragen sich, warum dies alles keine Auswirkungen auf die Edelmetallpreise hat.
Das größte Problem der FED ist die zu niedrige Inflation. Dies ist auch kein Geheimnis, sondern wird auf jeder FED-Sitzung diskutiert. Es wurden Milliarden von Dollar in die Märkte gepumpt, doch so ganz richtig ist das nicht. Ich würde eher sagen, es wurden Milliarden von Dollar an die Banken verschenkt.
Nur ein kleiner Bruchteil der FED-Milliarden kam dort an, wo das Geld hinsollte. Den großen Kuchen haben die Banken unter sich aufgeteilt und das Geld in die Märkte gepumpt, anstatt es der Wirtschaft zur Verfügung zu stellen.
Dies führte dazu, dass die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes auf ein Mehrjahrzehntetief gefallen ist. Weder die Banken noch die Investoren sahen irgendeinen Grund die Strategie zu wechseln, wenn die Notenbank weiterhin ein derart niedriges Zinsniveau hält.
Spannend wird es aber jetzt, wenn die FED mit der Bilanzverkürzung anfängt und den Banken Geld entzieht. Ich denke und ich hoffe, dass dann das große Umdenken kommt, die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes bei einer Rekordgeldmenge zunimmt und dann die Inflation losgaloppiert.
Die Nachfrage nach Bitcoin oder den Kryptowährungen ist einerseits klar spekulativ, andererseits aber auch ein Zeichen, dass alternative Währungen außerhalb der Fiat-Währungen gesucht sind. Ein Rückbesinnen auf Gold bzw. eine Wiederentdeckung dieser Währung wäre dann für mich die logische Konsequenz.

Frage 5:
Ich denke, dass wir doch eine eher langfristig orientierte Leserschaft haben, die Ihre Kerninvestments auf Sicht mehrerer Jahre oder gar Jahrzehnte ausrichtet. Daneben gibt es aber auch viele, die gerne mal etwas zocken oder  besser formuliert „kein Problem damit hat, einen Teil des Geldes auch alle paar Wochen oder Monate mal umzuschichten – unter der Voraussetzung, dass es was Spannendes gibt“. Was denkst du sind die Branchen und Bereiche der nächsten Jahre, wo man auch gerne unter Schwankungen unter dem Strich gut unterwegs sein wird?

Antwort Hannes Huster:
Die meisten Anleger behaupten, dass Sie Langfristinvestoren sind. Doch in Wirklichkeit wissen Anleger nicht, was langfristig bedeutet bzw. werfen in schwachen Phasen ihre vorher guten Ansätze über den Haufen, besonders dann, wenn woanders die Post abgeht.
Letzte Woche war ich auf verschiedenen Konferenzen in London. Ein Ex-Fondsmanager von BLACKROCK, der mit seinem Goldaktienfonds eine Rendite von 684% in zehn Jahren für seine Anleger erwirtschaftet hat, beschrieb die heutige Situation ganz gut. Die Aktionäre heutzutage sind wie Hotelgäste. Sie checken am Freitag ein, sauen das ganze Zimmer ein und gehen dann am Sonntag wieder heim.
Doch zurück zu deiner Frage.
Ich denke, wer an die Revolution der Elektroautos glaubt, der kann sich im Bereich der Lithium- oder Kobaltaktien umsehen. Was in diesem Zusammenhang auch zu nennen ist wäre Nickel, Grafit und Mangan. Allesamt Rohstoffe die in großen Mengen für die Batterien benötigt werden, jedoch noch nicht so massiv gelaufen sind. Das sind die Rohstoffe, wenn man mit den Trends gehen möchte. Doch auch hier wird es einmal zu Wash-Outs kommen, mit denen man als Anleger/Spekulant einfach umgehen muss.
Ich mag antizyklische Investments und werthaltige Investments. Sektoren, die die meisten Anleger aktuell nicht mit der Beißzange anfassen würden sind meist die größten Gewinner der nächsten Jahre. Allen voran möchte ich hier Uran nennen, auf das ich seit zwei Jahren gesetzt habe, mit Erfolg. Zuletzt haben zwei der weltgrößten Uran-Förderer massive Produktionskürzungen verkündet und ich denke hier haben wir einen Boden für die nächsten Jahre gesehen.
Ein weiterer Favorit ist Kokskohle für die Stahlherstellung. Bei Kohle schreckt jeder zurück, erklärt mich für einen Volldeppen und erzählt mir, ob ich noch nichts vom Pariser Klimaschutzabkommen gehört habe.
Dass es aber verschiedene Arten von Kohle gibt und die Kokskohle für die Stahlerzeugung unersetzlich ist, vernachlässigen die meisten. Ohne Kokskohle gibt es keinen Stahl und ohne Stahl gibt es kein Auto (nein, auch kein Elektroauto), keine Brücke, kein Haus und kein Windrad.
Der Sektor ist so negativ mit Vorurteilen behaftet, dass ich hier enorme Chancen sehe. Der Preis für Kokskohle ist in den vergangenen Wochen um über 20% auf mehr als 205 USD je Tonne gestiegen. Wenn Sie hier ein gutes Unternehmen finden, dass für 20 oder 30 Jahre Kohle zu Preisen von unter 50$ je Tonne abbauen kann, dann würde ich mir das gut ansehen.
Sehr günstige und fundamental sehr gut aufgestellte Unternehmen gibt es aktuell wieder im Bereich der mittelgroßen Goldproduzenten. Die Aktienkurse sind deutlich zurückgekommen und dies bei einer nahezu vergleichbaren Ausgangslage wie bei 100% höheren Kursen.

Frage 6:
Wie können unsere Leserinnen und Leser von deinem Wissen profitieren, denn – wie schon in der Einleitung gesagt – kenne ich kaum jemanden, der seit so vielen Jahren für seine  Recherchearbeit einer derart gewaltigen Aufwand betreibt???

Antwort Hannes Huster:
Vielen Dank für die Blumen. Seit über 10 Jahren schreibe ich mit dem Goldreport einen Börsenbrief im Rohstoffsektor. Wer sich also für diese spannenden Themen interessiert, der kann den Brief über meine Webseite bestellen (www.dergoldreport.de ). Ich habe ein Probe-Abo, mit dem man perfekt für zwei Monate hineinschnuppern kann und das nach dieser Zeit auch automatisch abläuft.
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